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Hamburgs schönste Treppenhäuser

Seit 2015 gehört der Bereich süd-westlich des Hamburger Hauptbahnhofs, das Kontorhausviertel mit Chilehaus und Speicherstadt, in Teilen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die meisten Kontorhäuser sind im frühen 20. Jahrhundert gebaut worden. In Ihren Fassaden findet der sogenannte Backsteinimpressionismus seinen Ausdruck. Vom fotografischen Aspekt sind die Kontorhäuser von außen eher als schwierig zu bezeichnen. Aufgrund der engen Bebauung lassen sich stürzende Linien kaum vermeiden und in den Strassen stören parkende Fahrzeuge und Verkehrsschilder die Gesamtansicht.

Ein fotografischer Leckerbissen sind allerdings die zahlreichen Treppenhäuser des Kontorhausviertels. Hier kann man sich als Fotograf in Sachen Perspektive, Symmetrie und perfekter Ausrichtung der Kamera so richtig austoben. Aber nicht nur hier, auch im weiteren Umfeld der Innenstadt gibt es wahre architektonische Kleinode zu entdecken.

 

Der Sprinkenhof

Hier gibt es zwei Treppenhäuser: Im nördlichen Trakt ein recht helles, dessen Grafik eher aus Recht- und Dreiecken besteht. Es wirkt sehr sachlich und kühl. Obwohl fotografisch recht reizvoll, ist diese Treppe keine wirkliche Herausforderung aber gut als Einstieg ins Thema geeignet.

Ganz anders ist da schon das südliche Treppenhaus. Dies ist zum einen recht dunkel und zumindest bei Aufnahmen von oben ist man mit dem Stativ sehr eingeschränkt, da man nicht über die Brüstung hinauskommt. Es gilt also, mit relativ langen Belichtungszeiten, und hoher ISO aus der Hand zu fotografieren. Störende, ins Bild ragende Elemente, Lichter oder Kanten lassen sich kaum vermeiden. Dennoch ist die Spirale mit den roten und goldenen Elementen und der farbigen Kuppel ein sehr dankbares Motiv. Die einzelnen Stockwerke unterscheiden sich nicht voneinander, man kann aber zwei oder drei unterschiedliche Einstellungen vom Stativ machen. Sehr schön ist auch das oberste Stockwerk direkt unter Kuppel. Einige Details des Geländers runden das Ganze ab.

Der Meßberghof (früher Ballin Haus)

Für mich das schönste und vielseitigste aller Treppenhäuser dieser Serie. Allerdings erschließt es sich einem erst auf dem zweiten Blick, da es recht dunkel ist. Mit entsprechend langen Belichtungszeiten kann man aber die Details, Farben und Formen wunderbar herausarbeiten.  Die ersten 4 Stockwerke sind gleich gestaltet, danach ändert sich die Aufteilung der Zugänge zu den Büros. Es gibt also sehr viele Möglichkeiten an Perspektiven. Das oberste Stockwerk ist dann ein echter und überraschender Kontrast: Durch das Oberlicht und die weisse Kuppel ist es sehr hell und darüberhinaus auch sehr schlicht gestaltet. Nur die goldenen Streben des Geländers wurden von den unteren Stockwerken übernommen. Der Blick nach unten ist dann wieder atemberaubend, auch wenn man wegen des fehlenden Lichts wieder ohne Stativ arbeiten muss.

Das Ballinhaus war ursprünglich nach dem Reeder Alber Ballin benannt. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde es 1938 von den Nationalsozialisten in Meßberghof umbenannt. Es mutet schon etwas seltsam an, dass diese Umbenennung bis heute nicht rückgängig gemacht wurde....

 

Das Chilehaus

Wegen seiner markanten Bauform, der an einen Schiffsbug erinnernden Spitze, und seiner Größe, ist es wohl das bekannteste Gebäude des gesamten Ensembles und eines der Wahrzeichen Hamburgs. Es gibt verschieden Eingänge und somit auch einige Treppenhäuser, die zwar reizvoll aber vergleichsweise bescheiden daherkommen. Allerdings habe ich den ganzen Komplex bisher nicht erforscht. Es soll ein wunderschönes Treppenhaus  ähnlich dem des Sprinkenhof geben, allerdings mit Paternoster. Vielleicht gibt es da ja noch was zu entdecken, bis dahin ist meine Ausbeute leider recht bescheiden.

Das Afrikahaus

Dieses Kontorhaus ist kleiner und auch älter als die Backsteinhäuser des östlichen Kontorhausviertels. Es wurde bereits 1899 von dem Hamburger Architekten Martin Haller erbaut. Auftraggeber waren die Brüder Woermann, die im 19. Jahrhundert im Handel mit Afrika engagiert waren. Eine Pendent zu dem Haus ist das Woermann- Haus Swakopmund/Namibia.

Das Treppenhaus ist recht hell und von schlichter Eleganz. Eine besondere Herausforderung ist es, die Kuppel vom Erdgeschoss aus nach oben zu fotografieren. Um einen wirklich runden Kreis zu bekommen, muss man die Kamera sauber ausrichten. Dies ist bisher nicht wirklich gelungen, da man selbst mit einem Superweitwinkelobjektiv so weit heruntergehen muss,  dass man nur noch mit Verrenkungen und auf dem Boden liegend auf das Display der Kamera schauen kann, übrigens sehr zum Spass der zahlreichen Angestellten aus den Büros auf ihrem Weg zur Raucherpause im Innenhof. Es mag Geschmacksache sein, aber ich persönlich finde es reizvoll, der Kuppel in der Bildbearbeitung durch Veränderung des Weissabgleiches unterschiedliche Farben zu geben.

 

Der Laeiszhof

Ebenfalls schon Ende des 19. Jahrhunderts errichtet: Der prächtige Laeiszhof. Ein großes Glasdach lässt viel Licht in das quadratische Treppenhaus fallen. Jedes Stockwerk hat eine umlaufende Galerie, die an den vier Ecken jeweils duch eine gusseiserne Säule gestützt wird. Die schmiedeeisernen Geländer sind mit floralen Ornamenten verziert, was mich veranlassen könnte, mich bei meinem nächsten Besuch mal um Details zu mümmern. Die hellen Weißtöne und der blaue Boden lassen dieses Treppenhaus äußerst elegant wirken. Kleines zusätzliches "Schmankerl": Hier gibt es einen der letzten in Hamburg in Betrieb befindlichen Paternoster!

Das Versmannhaus

Dieses Kontorhaus mit seiner Sandsteinfassade direkt an der Mönkebergstrasse, eine der Haupteinkaufstrassen Hamburgs,  wird wohl kaum durch die vorbeieilenden Shopper beachtet. Schade, denn hier gibt es ein ganz besonderes Treppenhaus, das eigentlich kein Treppenhaus ist, diese befindet sich nämlich getrennt in einem zweiten Schacht. Von den einzelnen eliptisch geformten Galerien, die diese "Treppemnhaus" bilden kommt man aus dem Fahrstuhl zu den Büros. Es wirkt fast ein wenig futuristisch und ich habe Zweifel, ob das in dieser Form schon im Originalbau von 1910 - 1912 schon vorhanden war.

Haus Alstertor

Noch ein Kleinod: Das Haus Alstertor an der Ecke zur Ferdinandstrasse. Die Treppe hat ein wunderschönes dunkelbraunes Holzgeländer. Ich glaube ein zweiter Besuch lohnt sich, in dem recht engen Treppenhaus gibt es sicher noch so manche neue Einstellung entdecken.

Alte Oberpostdirektion

Das palastartige Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und rund 90 Jahre von der Hamburger Oberpostdirektion genutzt. 1995 erwarb ein privater Investor den Prachtbau und widmete ihn zur Nutzung als medizinisches Versorgungszentrum um, wobei die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt wurden. Das wunderschöne, schlichte Treppenhaus befindet sich in dem kleinsten von drei Ecktürmen an der Ecke Dammtorstrasse/Dammtorwall. Es ist sehr eng und bietet eigentlich nur zwei Einstellungen, die es allerdings in sich haben: Einmal eine tolle Spirale beim Blick nach oben und umgekehrt beim Blick nach unten. Leichte Variationen eröffnen sich dabei durch Wechsel des jeweiligen Stockwerks und die Bearbeitung in Schwarz/Weiss. Letzteres betont die bezaubernde Schlichtheit dieses Treppenhauses.

Das Hübner-Haus

In der Poststrasse, nur wenige Gehminuten von Rathaus und Binnenalster entfernt, liegt ein eher unbekanntes, kleines Kontorhaus: das Hübner-Haus. Das Treppenhaus ist klein und recht eng, besticht aber dürch üppige Ornamente und Mosaike an den Wänden und auf dem Fußboden. Am Fuß der Treppe dann ein weiteres "Schmankerl": Eine kleine Pförtnerloge mit Schreibtisch, Telefon und alter Lampe! Es scheint, als wäre der Pförtner nur mal eben "wohin" und kommt jeden Moment zurück, um den gnädigen Herren oder die gnädige Dame nach dem Begehren zu fragen...

Das Streit´s Haus

Viele Hamburger verbinden dieses Bürohaus mit dem renommierten Filmtheater, daß sich bis 2013 am Jungfernstieg befand. Aber nur wenige nehmen den Hintergang war, wenn sie shoppender Weise durch die Poststrasse flanieren. Hier findet man ein recht großzügiges Treppenhaus, das vor allem durch seine Schlichtheit besticht.

Das Körnerhaus

Schräg gegenüber dann gleich das Körnerhaus. Schon das Entrée mit seinen zahllosen Jugendstil-Elementen und vor allem dem siebenflammigen Leuchter ist beeindruckend. Im Gegensatz dazu ist das eigentliche Treppenhaus dann wieder eher schlicht gehalten. Schön sind vor allem wieder die gekachelten Wände und das reich verzierte Treppengeländer.

Der Esplanadebau

Trotz seiner enormen Größe (10.000qm Bürofläche über 7 Etagen) kann man dieses Kontorhaus leicht übersehen. Zum einen wird einem der Gesamtblick durch die Bäume in der Strassenmitte verwehrt, zum anderen liegt der unscheinbare Eingang eingequetscht zwischen Hofbräuhaus und dem Hotel Baseler Hof. Aber nachdem man diese Schwierigkeit überwunden hat und das Treppenhaus gefunden ist, verschlägt es einem die Sprache: Marmor wohin das Auge blickt und das gesamten Treppenhaus voller ArtDeco- und Jugendstilelemente! Diesem Treppenhaus sieht man an, dass es ursprünglich als repräsentative Zweigstelle der Frankfurter Adlerwerke errichtet wurde. Damals, Anfang de 20. Jahrhunderts, war jedes fünfte Auto auf deutschen Strassen ein Adler.

Dieser Blog wird fortgesetzt, also dranbleiben!

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