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Auf Walsafari in Nordnorwegen

Sonnabend, 12. Januar 2019: Ankunft in Tromsø

Tromsø, die mit rund 75.000 Einwohnern achtgrößte Stadt Norwegens, ist Ausgangspunkt unserer Reise. Obwohl 340 km oberhalb des Polarkreises gelegen wird es hier auch im Winter, dank der Ausläfer des Golfstroms, selten kälter als -10° C. Tromsø begrüßt uns mit dichtem Schneefall. Wir bringen das Gepäck auf unser Schiff und erkunden ein wenig die Stadt. Anschließend beziehen wir unsere Kabine. Nach einer Begrüßung stellt Floris, unser Kapitän, die Mannschaft vor und gibt uns erste Informationen zu unserem Schiff, der S/V Noorderlicht. Von Birgit, unserem Tour-Guide, erfahren wir, dass sich der Reiseplan grundlegend geändert hat: Wir gehen nicht Richtung Süden (Lofoten), wie ursprünglich geplant, sondern nach Nordosten. Der Grund ist einfach: Die Heringsschwärme haben sich entschieden, dort hinzugehen, die Wale folgen den Heringen und wir folgen den Walen. Nach dem Abendessen lernen wir auch unsere 18 Mitreisenden näher kennen. Fünf Nationen sind vertreten: England, Belgien, Frankreich, Schweiz und Deutschland.

Sonntag, 13. Januar 2019.

Die Noorderlicht verläßt Tromsø um 6:00 Uhr, gegen 8:00 Uhr gibt es Frühstück. Rechtzeitig zum Beginn der Morgendämmerung um 10:00 Uhr sind alle an Deck. Wir passieren die Lyngenalpen, einen 90 km langen Gebirgszug. Während der Fahrt machen wir uns mit dem Schiff vertraut und genießen das faszinierende Wechselspiel der Berge und Wolken im Dämmerlicht der Polarnacht. Dann, nach der Umrundung der Insel Skervøya, läutet zum ersten Mal die Schiffsglocke, das verabredete Zeichen wenn ungewöhnliches geschieht: Orcas in Sicht! Ein Bulle, eine Kuh und mehrere Kälber ziehen an der Noorderlicht vorbei. Nahe genug, um die Tiere durch das Fernglas zu beobachten, aber zu weit entfernt für ein brauchbares Foto. Die Gruppe bleibt lange in unserer Nähe, ein guter Grund also, das Mittagessen zu verschieben. Gegen 15:00 Uhr, es ist schon wiede dunkel, erreichen wir unser heutiges Ziel: Reinfjord. Draußen liegt ein halber Meter frischer, fluffiger Pulverschnee! Beste Voraussetzungen also, erste Erfahrungen mit unseren Schneeschuhen zu machen. Am Ende des Dorfes wandern wir durch absulute Dunkelheit und Stille. Nach dem Dinner erzählt uns Birgit noch etwas über Orcas (Delfine, keine Wale!). Der erste Tag in der Arktis klingt mit einem Absacker an der gemütlichen Bar aus. Was für ein Start!

Montag, 14. Januar 2019:

Wer geglaubt hat, in Ruhe sein Frühstück beenden zu können, hat sich getäuscht! Wir hören die Schiffsglocke und den Ruf: "Humpbacks ahaed of us!". Alle stürzen an Deck und werden es bis zum Nachmittag nicht mehr verlassen, denn den ganzen Tag über haben wir fantastische Sichtungen. Immer wieder tauchen Buckelwale auf und zeigen ihre Fluke, manchnal sogar die lange Bauchflosse. Und immer wieder machen sie uns mit ihrem beeindruckenden Blas auf sich aufmerksam. Ein unvergessliches Erlebnis. Wir fahren tiefer in den Fjord hinein, aber für heute gibt es keine Sichtungen mehr. Dafür bieten sich uns immer wieder traumhafte Ausblicke auf schneebedeckte Berge und einsame Fischerdörfer. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir Skorpa, unsere Anlegestelle für die Nacht. Unsere heutige Schneeschuhwanderung führt uns in ein Dorf, das 1980 von den Bewohnern verlassen wurde: Faszinierend und unheimlich zugleich. Während einer 5-minütigen Pause schalten wir unsere Stirnlampen aus, schweigen und hören nichts als: Wildnis!

Dienstag, 15 Januar 2019:

Nach einer ruhigen Nacht verlassen wir Skorpa und machen uns wieder auf die Suche nach unseren Freunden. Schon nach kurzer Zeit haben wir Glück: Zwei Buckelwale schwimmen mit weit geöffnetem Maul an der Oberfläche. Eindrucksvoll: Nur die beiden Wale, unser Schiff und wir im blauen Morgenlicht. Nach zwei Stunden verlassen wir unsere Freunde, denn es gibt was zu Feiern: Heute endet die Polarnacht! 11:36 Uhr: Sonnenaufgang! Aufgrund der dichten Wolkendecke können wir leider nicht sehen, wie sich die Sonne für einige Minuten über dem Horizont zeigt. Dafür erscheint sie auf Pfannkuchen, die Andreas, unser Koch, zur Feier des Tages gebacken hat. Dazu gibt es heiße Schokolade mit Sahne. Kurz darauf treffen wir unser Schwesterschiff, die Rembrandt van Rijn, zusammen mit einer Gruppe von Buckelwalen. Einer springt mehrere Male weit aus dem Wasser. Leider sind wir zu weit entfernt für ein gutes Foto, aber zur Dokumentation reicht es. Am späten Nachmittag erfolgt dann wieder eine Schneeschuhwanderung, die uns schon zur lieben Gewohnheit geworden ist. Auf einem kleinen Hügel verharren wir wieder für 5 Minuten und lauschen: Aus der Ferne hören wir den Blas der Wale, die Wellen unten am Ufer des Fjordes , eine Eule und einen Vogel ganz in der Nähe.

Mittwoch, 16. Januar 2019:

In den ersten Stunden des Tages haben wir kein Glück, die Wale von gestern sind weitergezogen. In der Ferne, in Richtung der Insel Skervøya, liegen einige Schiffe, und Floris entscheidet, auch dorthin zu fahren. In der Bucht vor der Insel liegen mehrere Schiffe mit Tagesausflühlern aus Tromsø. Wir sichten einige Orcas und Buckelwale, aber die Tagesboote stören unsere Beobachtungen. Im Gegensatz zu uns, die wir mit gestoppter Maschine darauf warten, dass sich die Tiere uns nähern, machen die Tagesboote regelrecht Jagd auf die Wale. Klar, Touristen sind immer die anderen, aber das ist nicht das, was wir uns unter Whalewatching vorstellen. Wir verlassen die Bucht von Skjervøya, genießen die vorbeiziehende Landschaft und nutzen die Gelegenheit, uns fotografisch mit einigen Details der Noorderlicht zu beschäftigen. Am Abend hält Birgit einen Vortrag über Polarlichter.  Leider konnten wir dieses einmalige Schauspiel aufgrund der permanent dichten Bewölkung nicht genießen. Auch die Vorhersage für die kommenden Tage sieht in dieser Hinsicht nicht gut aus.

Donnerstag, 17. Januar 2019:

Mit dem ersten Licht des Tages bereiten wir uns auf eine weitere Wanderung vor. Wir durchqueren Bjørnes, ein hübsches kleines Dorf mit einem Kaufmannsladen, der gleichzeitig Treffpunkt der Dorfbewohner zu sein scheint. Am Ende des Dorfes legen wir die Schneeschuhe an und stapfen durch unberührten Schnee hügelaufwärts. Am Wegesrand finden wir die Überreste eines Rentieres und Birgit nutzt den Fund um uns etwas über diesen Bewohner der Tundra zu erzählen. Der Pfad wird steiler, aber nach einer Weile erreichen wir ein weites Plateau, welches uns einen Eindruck von der typischen Landschaft Nordnorwegens, dem "Fjell", verschafft.

Freitag, 18. Januar 2019:

Unsere morgendliche Schneeschuhwanderung endet am Pier mit einem Gruppenfoto. Anschließend geht es zurück nach Tromsø, wo wir gegen 15:00 Uhr eintreffen. Während die Mannschaft Treibstoff und Verpflegung für die nächste Reise bunkert, haben die Teilnehmer Landgang und nutzen diesen für Sightseeing und Shopping. Am Abend treffen sich alle wieder auf dem Schiff zum "Captains Dinner": Die Kajüte der Noorderlicht erstrahlt im Kerzenschein. Nach dem festlichen Abendessen überrascht uns Birgit mit einer Dia-Show mit den Höhepunkten der Reise und Steve hält eine bemerkenswerte Dankesrede an die Crew. Der Abend endet mit unterhaltsamen Gesprächen und fröhlichem Lachen.

Sonnabend, 19. Januar 2019:

Nach dem Frühstück heißt es dann endgültig Abschied nehmen von der Noorderlicht, der Crew und den Mitreisenden. Eine spannende Reise mit vielen Erlebnissen und neuen Erfahrungen liegt hinter uns. Auch wenn das Wetter leider nicht mitgespielt hat und damit das Polarlicht leider unsichtbar geblieben ist, werden die Begegnung mit den Walen und die grandiose Küstenlandschaft Nordnorwegens unvergessen bleiben.

Glücklicherweise haben wir kurzfristig noch drei weitere Nächte in Tromsø gebucht.  Und schon am ersten Tag, auf dem Weg zur Eismeerkathedrale und beim Stadtbummel ist uns das Wetter hold. In den folgenden zwei Tagen, bei einer Hundeschlittentour und bei der Fahrt im Leihwagen zur Insel Sommarøy können wir dann doch noch das grandiose Licht der Arktis genießen.

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